BNA-Jahreshauptversammlung & Informationsveranstaltung am 16.04.2016

 

Fotos: Dieter Debatin
Text: BNA

 

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Jahreshauptversammlung 2016: Wechsel im Präsidium und in der Geschäftsführung!

 

Am 16. April 2016 fand in Hambrücken die Jahreshauptversammlung des Bundesverbandes für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz (BNA) statt. Die diesjährige Versammlung war gleichzeitig das Ende einer Ära: Nicht nur Walter Grau, der seit Gründung des BNA im Jahr 1985 Vizepräsident und seit 2011 Präsident war, schied aus dem Amt; auch Lorenz Haut, seit 1989 Geschäftsführer und Gesicht des Verbandes, wird sich Ende Mai 2016 in den Ruhestand verabschieden.
Der scheidende Präsident des BNA, Walter Grau, blickte auf mehr als 30 Jahre BNA zurück. Seine sowie die Erkrankung des Geschäftsführers, Lorenz Haut, im vergangenen Jahr machten nun einen Wechsel an der Verbandsspitze notwendig. Grau stellte zunächst Walter Jacksch vor, der bereits seit Anfang des Jahres als stellvertretender Geschäftsführer tätig ist und die Aufgaben von Lorenz Haut mit dessen Eintritt in den Ruhestand zum 1. Juni 2016 vollständig übernehmen wird.
Der Kassenbericht Bericht des scheidenden BNA-Geschäftsführers zeigte, dass er seinem Nachfolger einen solide geführten Verband übergeben kann. Die Kassenprüfer bestätigten auch die einwandfreie Kassenführung. Der sich hieran anschließende Bericht Hauts zeigte deutlich, mit wieviel Herzblut und Engagement - oft bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit, manches Mal auch darüber hinaus - Haut sich für die Belange der Tierhaltung und -zucht eingesetzt hat. Bei seiner Vorstellung machte der stellvertretende Geschäftsführer und designierte Nachfolger von Lorenz Haut deutlich, dass er nichts von einem Tierschutz der Verbote hält, sondern sich für einen praktikablen Tierschutz einsetzen wird, der dort steuernd eingreift wo es notwendig ist. Er versicherte den Mitgliedern, die hervorragende Arbeit des BNA mit vollem Engagement und ganzem Herzen fortzuführen. Nach der Entlastung des Präsidiums wurden die Vorschläge des scheidenden Präsidenten Walter Grau von der Versammlung angenommen und Dr. Gisela von Hegel als neue Präsidentin des BNA sowie Kurt Landes (Kölle Zoo) und Ministerialrat a. D. Dr. Gerhard Emonds als Vizepräsidenten einstimmig gewählt. Ebenso geschlossen stimmten die anwesenden Mitglieder für die Ernennung von Walter Grau zum BNA-Ehrenpräsidenten und von Lorenz Haut zum BNA-Ehrenmitglied in besonderer Würdigung ihrer langjährigen Verdienste um den BNA. Dieses eindeutige Votum macht noch einmal die Geschlossenheit innerhalb des BNA deutlich und zeigt, dass dieser mit der neuen Mannschaft hervorragend für die Zukunft aufgestellt ist.
Mit den Präsidiumswahlen endete eine Jahreshauptversammlung, die viele bekannte Themen und so manchen neuen, für die Tierhaltung wichtigen Punkt ansprach. Sie war vor allem ein Dank an die großartige Arbeit des BNA unter ihrem Präsidenten Walter Grau und ihrem Geschäftsführer Lorenz Haut sowie ein deutliches Signal, dass mit dem BNA auch künftig zu rechnen sein wird.

 


 

BNA Informationsveranstaltung unter dem Motto Tierschutz neu denken - lenken statt verbieten

 

Vor zahlreichen ranghohen Vertretern aus Politik, Ministerien, Wirtschaft und Wissenschaft führte der BNA am 16.04.2016 in seinem Schulungszentrum in Hambrücken eine Informationsveranstaltung durch. Unter der Moderation der neugewählten BNA-Präsidentin Dr. Gisela von Hegel verfolgten über 200 interessierte Gäste die Ausführungen der Referenten, die anschließend lebhaft diskutiert wurden.
Den Auftakt bildete der Vortrag von Dr. Matthias Reinschmidt (Direktor Zoologischer Garten Karlsruhe) mit dem Thema Tierhaltung: Ein Beitrag zum Tier- und Artenschutz. Er führte darin aus, dass die Tierhaltung in zoologischen Gärten und in qualifizierter Privathand unerlässlich sei, um gefährdete oder soder im Freiland bereits ausgestorbene Arten durch Nachzucht erhalten zu können.
Dass der Tierschutz sich oft im Spannungsfeld zwischen Tierhaltern und den die Tierhaltung ablehnenden Tierschützern bewegt, wurde im darauf folgenden Vortragsblock deutlich. Undine Kurth (Deutscher Naturschutzring), Theo Pagel (Direktor des Kölner Zoos und Präsident des Verbands der Zoologischen Gärten, VdZ) sowie Dr. Christoph Hinkelmann (Präsident des Verbandes Deutscher Waldvogelpfleger und Vogelschützer, VDW) betonten zwar einhellig die Wichtigkeit der Tierhaltung, um das Interesse an Tier-, Natur- und Artenschutz zu wecken und zu wahren. Hinsichtlich der Anforderungen an eine tiergerechte Haltung in menschlicher Obhut gingen die Ansichten teilweise jedoch deutlich auseinander.
Im nächsten Vortragsblock ging es um die Frage, ob eine Heimtierverordnung Fluch oder Segen ist. Während Professor Dr. Theo Mantel, der Ehrenpräsident der Bundestierärztekammer, sich gegen eine Heimtierverordnung aussprach und Dipl. Biologe Jürgen Hirt (wissenschaftl. Mitarbeiter des BNA) erhebliche Zweifel äußerte, ob eine weitere gesetzliche Regelung zur Verbesserung des Tierschutzes beitragen kann, sprach sich die Landestierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Dr. Cornelie Jäger, für eine Heimtierverordnung aus.
Ministerialrat a.D. Dr. Gerhard Emonds berichtete anschließend über den aktuellen Stand der Umsetzung der Koalitionsvereinbarung von CDU und SPD im Bereich des Tier- und Artenschutzes.
Die politischen Parteien hatten im nächsten Block Gelegenheit, ihre Vorstellungen zur Förderung des Tierwohls unter dem Motto Lenken statt verbieten vorzutragen. Während Birgit Menz (Die Linke) den privaten Wildtierhandel außerhalb zoologischer Einrichtungen immer noch als Problem ansah und die Zucht gefährdeter Arten nur zu Auswilderungszwecken akzeptieren wollte, waren sich die Vertreter der anderen Parteien einig, dass ein Tierhaltungsverbot weder dem Schutz bedrohter Arten noch dem Schutz des einzelnen Tieres dienlich sein könne. Alois Gerig (CDU) machte deutlich, dass seine Partei nie eine Verbotspartei gewesen sei und Positivlisten abgelehnt würden. Die Arbeit der Züchter sei wertvoll und die Weitergabe der Sachkunde zu fördern. Für die Tierbörsen wünsche er sich eine europäische Lösung. Auch Dr. Peter Sound (SPD) wünschte sich mehr Fachkunde; dies sei im Landesnaturschutzgesetz in Rheinland-Pfalz bereits aufgenommen worden. Eine Überregulierung habe keinen Sinn - schließlich sehe man an der illegal weitergeführten Haltung gefährlicher Schildkrötenarten, dass dies nichts bringe. Wo kein Vollzug stattfinde, würden auch Verordnungen nicht helfen. Auf die wertvollen Beiträge der Tierhalter zum Tier- und Artenschutz könne nicht verzichtet werden. Für die FDP forderte Dr. Christian Jung vor allem eine Novellierung und Verschärfung des § 11 b TierSchG: Qualzuchten müssten auch von jeder Ausstellungmöglichkeit ausgeschlossen werden, und ein Haltungsverbot von Qualzuchten sei anzustreben.
Lenken statt verbieten: Inzwischen fordert nicht nur der BNA diesen Weg im Tierschutz, sondern auch viele Stimmen aus Politik und Wissenschaft. Die Förderung der Sachkunde ist das am besten geeignete Mittel, um den Schutz von Tieren, die in menschlicher Obhut gehalten werden, sicherzustellen. Haltungsverbote können dieses Ziel niemals erreichen und würden vielmehr dazu führen, dass Tier- und auch Artenschutzziele nicht mehr erreicht werden können.
Den würdevollen Abschluss der Informationsveranstaltung bildete die Verabschiedung des bisherigen Präsidenten, Herrn Walter Grau, und des scheidenden Geschäftsführers, Herrn Lorenz Haut, die den BNA über Jahrzehnte maßgeblich geprägt haben. Die neugewählte Präsidentin, Frau Dr. Gisela von Hegel, sowie der designierte Geschäftsführer, Herr Walter Jacksch, versicherten sowohl ihren scheidenden Vorgängern als auch den Besuchern ihre bisherige Arbeit beim BNA mit vollem Engagement fortzuführen.