Deutschland hat einen hohen Tierschutzstandard

 

Vogelbörse in Zwolle/Niederlande - in Deutschland undenkbar

 

Am Samstag, den 23. Februar 2013, fand in Zwolle/Niederlande wie jedes Jahr eine große Vogelbörse statt, die größte ihrer Art in den Niederlanden. Vor zehn Jahre hatte ich die Vogelbörse in Zwolle schon einmal besucht und die schrecklichen Bilder von damals sind die gleichen geblieben.

 

Ich möchte weder die Bilder noch die Börse kommentieren, weil mich beides immer noch sprachlos macht.

 

 

 

Deutschland hat bereits einen hohen Tierschutzstandard - uns Deutschen ist dieser Standard aber immer noch nicht hoch genug. Wir leben in einem vereinten Europa ohne Grenzen und das ist gut so.

 

Wenn man jedoch in Zwolle war, muss man sich fragen: Ist das Europa? Denn die Verhältnisse der Tierpräsentation erinnern eher an Asien oder Osteuropa.
Gibt es keinen Veterinärstandard in den Niederlanden?

 

 

 

 

Die EU-Kommission drückt uns immer mehr Auflagen in den europäischen Gesetzes- und Verordnungsvorgaben auf, aber offenbar vollziehen nur die Deutschen diese Vorgaben und nur die Deutschen fordern die höchsten Standards ein. Wie sieht der Tierschutz z.B. in Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien aus? Vermutlich nicht anders als in den Niederlanden. Wie würden die Tierbörsen in Deutschland aussehen und wäre es um sie bestellt, wenn es nicht die Tierschützer und den BNA gäbe?

 

Nach dem Besuch in Zwolle bin ich sehr froh darüber, dass ich persönlich und der BNA dem Tierschutz einen hohen Stellenwert einräumen. Wo aber sind und wo waren die Europäischen Tierschutzorganisationen am vergangenen Wochenende? Tierschutz kann nicht bei der Hunde- und Katzenkastration anfangen und enden, Tierschutz ist wesentlich mehr und umfasst auch solche Tierbörsen, auf denen unter anderem verletzte, kranke und vom Aussterben bedrohte, strengstens geschützte Vogelarten angeboten werden - trotz Einfuhrverbot von Vögel in die EU! Wo kommen die Frischimporte aus Asien und Amerika her? Sind diese Tiere etwa in die Niederlande geflogen und wurden dort als Faunenverfälschung weggefangen? Offenbar spielen weder der Tier- noch der Artenschutz in den Niederlanden eine Rolle.
Ich bin für Regelungen und ich bin dafür, dass wir beim Tierschutz einen hohen Standard anlegen. Ich bin für Artenschutz und ich bin dafür, dass man die Naturentnahmen reglementiert und ich bin auch dafür, dass die Fachkunde vorhanden sein muss und die Mindeststandards eingehalten werden. Ich bin allerdings dagegen, dass wir so viel fordern, dass eine praxistaugliche Umsetzung gar nicht mehr möglich ist. Ich bin dagegen, dass wir eine Vogelkennzeichnung festschreiben, die festlegt, dass Vögel ausschließlich mit der vorgegebenen Ringgröße zu kennzeichnen sind. Wer so etwas festlegt, dem muss unterstellt werden, von der Praxis überhaupt keine Ahnung zu haben, sondern nach der Maxime zu handeln: Hauptsache, die Angelegenheit wurde gesetzlich geregelt.

 

Wir Deutschen sind Weltmeister beim Festschreiben und Regeln!
Aber was nützt uns das alles, wenn man mit den Regelungen nichts anfangen kann? Bisher hat die Regulierungswut lediglich zu einer Bürokratie geführt, die den Steuerzahler viel Geld kostet und die zu keinerlei Ergebnissen führt.

 

Nachdem die SPD-Bundestagsfraktion eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt und um Auskunft darüber gebeten hat, wie viele geschützte Tiere in Deutschland bei den Naturschutzbehörden gemeldet sind, kam die Bankrotterklärung der Bundesregierung in Form der Auskunft: Es liegen keine Meldezahlen vor! Eine unerklärliche Antwort der Bundesregierung und ein Fall für den Bund deutscher Steuerzahler.

 

Nachdem die SPD diese Antwort von der Bundesregierung erhalten hat, stellte sie einen Antrag an den Deutschen Bundestag, den Wildtierhandel und die Wildtierhaltung in Deutschland zu verbieten. Beides sind unglaubliche Vorgänge, aber leider typisch deutsch!

 

Nach dem Besuch der Vogelbörse in Zwolle bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass Regelungen europaweit umgesetzt werden müssen. Der Tierschutz darf nicht in Deutschland anfangen und in Deutschland enden, der Tierschutz muss überall gleichermaßen umgesetzt werden. Gesetze und Verordnungen, die in Brüssel beschlossen und verabschiedet werden, dürfen nicht nur für Deutschland gelten, sondern müssen für alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtend sein.
Es gibt in Europa keine Meldepflicht für geschützte Tiere, keine Kennzeichnungspflicht und keine Leitlinien für Tierbörsen; nur in Deutschland und hier hat die seit 1987 geltende Meldepflicht versagt. Das ist der Erfolg des Artenschutzes in Deutschland und weil dies so ist, fordert die SPD jetzt ein Wildtierhaltungsverbot .

 

In den Niederlanden und in allen anderen EU-Mitgliedsstaaten geht es hingegen munter so weiter wie am Samstag in Zwolle.

 

Was wir im Tier- und Artenschutz brauchen sind handhabbare, überschaubare Regelungen und ein hohes Maß an Tierschutz - die Tiere danken es uns.

 

 

 

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