Aktiver Tierschutz wird das Thema der nächsten Jahre sein


 

Seit etwa einem Jahr ist Dr. Cornelie Jäger im Amt. Die 46-jährige Veterinärin aus Tübingen ist die erste Tierschutzbeauftragte in Baden-Württemberg, berät mit einem Juristen und zwei Mitarbeitern Verbände und private Halter in Tierschutzfragen. Diese Stabsstelle wurde eingerichtet, um Fragen aus der Bevölkerung zu beantworten, Ratschläge zu erteilen oder die Rechtslage zu klären, so die Landestierschutzbeauftragte.
Im Rahmen eines über zweistündigen Pressegespräches im Schulungszentrum des Bundesverbands für fachgerechten Natur-und Artenschutz (BNA) in Hambrücken bezog die Tierärztin zum Thema Tierschutz Stellung und tauschte sich mit BNA-Geschäftsführer Lorenz Haut sowie den beiden dort tätigen Diplom-Biologen Jürgen Hirt (Erwachsenenbildung) und Michael Schmid (Schulprojekt) aus.

 

Auch in Zukunft sollen im modern eingerichteten Schulungszentrum am Ortsrand von Hambrücken gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt werden, war eines von vielen Ergebnissen der intensiven Gesprächsrunde.
Aktiver Tierschutz wird das Thema der nächsten Jahre sein, so die Expertin, die weiter ausführte, dass Lücken geschlossen werden müssten, da Tierhalter grundsätzlich wissbegierig seien. In Sachen Tierschutz sei in erster Linie Aufklärung und Bildung wichtig, nicht so sehr neue Verordnungen und Gesetze. Sowohl die Tierschutzbeauftragte als auch Lorenz Haut (Solch eine Veranstaltung beflügelt mich in meiner weiteren Arbeit) waren sich einig, dass gerade unsere Kinder von Anbeginn zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren erzogen werden müssten. Tierschutz sollte bereits in der Grundschule in den Unterricht aufgenommen werden, sagte Haut, der beobachtet hat, dass auch bei den Lehrern in diesem Bereich große Lücken vorhanden sind. Jäger: Hier ist ein Ansatz für die Landesregierung, aktiv zu werden. Lorenz Haut pflichtete ihr bei und betonte: Unsere Kinder gehen mit Begeisterung aus dem Unterricht, nachdem sie im außerschulischen Lernort BNA Hambrücken hautnahe Erlebnisse mit allen möglichen Tieren hatten. Dr. Cornelia Jäger (Ich halte den BNA für unersetzlich) forderte, ebenso wie Haut, dass das große Thema Tierschutz Eingang in die Lehrpläne der Schulen finden müsse.

 

Eine sach- und artgerechte Haltung von Haus- und Heimtieren sowie ein einheitlicher Sicherheitsstandart im Rahmen des Landestierschutzgesetzes seien vonnöten. Bei welchen Tieren ist ein Sachkundenachweis sinnvoll?, stellte Jürgen Hirt die rhetorische Frage. Bei einem Meerschweinchen eher nicht, bei Giftschlangen in Wohnhäusern auf jeden Fall, waren sich alle Teilnehmer einig. In der Diskussion, was ein gefährliches Tier sei, wurde deutlich, dass dieses Thema nicht mit einem Satz abzuhandeln ist. Schon ein Rehbock in privater Haltung kann für einen Menschen eine Gefahr darstellen, erklärte Jäger. Über 3 500 Personen aus dem Zoofachhandel hatten im Vorjahr einen Sachkundenachweis und die erforderliche Prüfung beim BNA erlangt, wurde berichtet. Jürgen Hirt, der ebenso wie Haut ein zentrales Melderegister für gefährliche Tiere fordert: Dies würde für den Halter auch Rechtssicherheit bedeuten. Der Zoofachhandel mache inzwischen einen guten Job, so die Einschätzung des BNA, allerdings gibt es immer noch etwas zu verbessern. Diskutiert wurde auch die Einführung einer umfassenden Info-Broschüre über das Internet, die teilweise unbefriedigende Situation bei Tierbörsen oder über einen möglichen Gelderlass bei Vorlage eines Sachkundenachweises.
Ebenso wurde über eine Novellierung des Landesjagdgesetzes und eines Gefahr-Tierschutzgesetzes gesprochen.

 

Erfreut war Geschäftsführer Lorenz Haut über die Aussage der Landestierschutzbeauftragten, die mit dem BNA in Zukunft eng kooperieren und ihn sicher auch finanziell unterstützten werde. Fakt ist, dass die vorzügliche Bildungsarbeit in Hambrücken, was die Finanzen angeht, auf klammen Beinen steht. Lediglich durch die großzügige Unterstützung über die Dietmar-Hopp-Stiftung sowie durch private Sponsoren können wir uns einigermaßen über Wasser halten, erklärte Lorenz Haut.

 

Zum Abschluss der Gesprächsrunde unternahmen die Teilnehmer einen ausführlichen Rundgang, nahmen Schulungszentrum, Voliere, Terrarien und Aquarien mit der großen Tiervielfalt genau unter die Lupe. Lorenz Haut sprach dabei auch die enge Kooperation mit dem Privatgymnasium St. Leon-Rot und der Pfarrer-Graf-Schule in Hambrücken an. Dr. Cornelie Jäger (Ich kannte den BNA lediglich vom Namen her) zeigte sich sehr beeindruckt und versprach, bei großen Themenkomplex Bildung und Fachkunde im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Ball zu bleiben.