Ich war noch nie in Hambrücken, bin von der BNA-Arbeit tief beeindruckt


 

Auf Einladung des Bundesverbandes für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz besuchte am 05. Dezember der Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Thomas Gebhart, Mitglied des Ausschusses Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das BNA-Schulungszentrum in Hambrücken.
Eingeladen waren auch Vertreter der Heimtierbranche und der Fachpresse. Neben der Arbeit des BNA wurde auch das Thema Importverbot für Wildtiere behandelt. Nach der Begrüßung des Bundestagsabgeordneten, den beiden Vizepräsidenten Dr. Gisela von Hegel und Kurt Landes sowie den anwesenden Fachexperten sowie Pressevertretern durch den BNA-Geschäftsführer Lorenz Haut unternahm man zunächst einen Rundgang durch die Tierhäuser und Schulungsräume.

 

Im Anschluss erläuterte Diplom-Biologe Jürgen Hirt (BNA) zunächst das Fort- und Weiterbildungskonzept des BNA für Angestellte des Zoofachhandels und betonte die Bedeutung der außerschulischen Weiterbildung für Kinder und Jugendliche, da nur so langfristig ein wissenschaftlich fundierter Tierschutz in der Gesellschaft verankert werden kann. Das Kennenlernen von Tieren und der Umgang mit ihnen ist aus Sicht des BNA unerlässlich für ein späteres Engagement im Tier-, Natur- und Artenschutz.

 

Frau Dr. von Hegel - BNA-Vizepräsidentin und Direktorin des Karlsruher Zoos - verwies auf die Bedeutung der Zoopädagogik und mahnte ebenfalls einen auf wissenschaftlich fundierten Fakten beruhenden Umgang mit Tieren an. Die teilweise sehr emotional geführten Diskussionen schaden letztendlich Tier und Mensch.

 

 

BNA-Geschäftsführer Lorenz Haut erläuterte kurz die Gründung und die Entwicklung des BNA. Er verwies auf die Positivlisten, die bereits in den 80er Jahren eine starke Einschränkung der Tierhaltung in Deutschland bedeutet hätten und die erfolgreiche Intervention des BNA. Die heutige Situation sei mindestens genauso ernsthaft und erfordere intensive Bemühungen auf Bundes- und Länderebene, insbesondere wenn die Große Koalition bestätigt werden sollte. Es ist bereits ein großer Erfolg des BNA, dass im Koalitionsvertrag ein Importverbot auf EU-Ebene und nicht auf nationaler Ebene verankert wurde, da dies erheblich schwerer umzusetzen sein wird. Es muss jedoch ein Ziel sein, die immer wiederkehrenden Forderungen nach Haltungsverboten für wildlebende Tierarten zu unterbinden, hierfür ist ein größeres (auch finanzielles) Engagement nötig und eventuell auch Korrekturen in der Tierhaltung (z.B. Börsen, Sachkunde).

 

Wie bereits bekannt, haben sich CDU/CSU und SPD in ihren Verhandlungen für eine Große Koalition auf ein Importverbot für Wildfänge und grundlegende rechtliche Regelungen für die Haltung von Exoten geeinigt. Bei dem Meinungsaustausch mit dem Umweltpolitiker sollte daher auch das Importverbot mit den Betroffenen diskutiert werden. Zudem sollte eine sachliche Klarstellung der von den Tierschutzverbänden immer wieder erhobenen und mit teilweise sehr fragwürdigen Importzahlen begründeten Vorwürfe, insbesondere gegen die Aquaristik und Terraristik, erfolgen.

 

 

Im darauf folgenden Part nahmen Heiko Blessin (JBL), Bernd Schmölzing (EFS) und Peter Hoch (Im- und Export Peter Hoch) Stellung zum geforderten Importverbot und zu den von ProWildlife und dem Deutschen Tierschutzbund immer wieder aufgeführten - und nachweislich falschen - Behauptungen zum Import von Zierfischen und Reptilien.

 

Heiko Blessin hatte hierzu eine Umfrage bei Importeuren von Meerwasserfischen gestartet und konnte somit erstmalig Zahlenmaterial zu Verlusten bei Transporten und der nachhaltigen Nutzung der Riffbestände vorstellen. Die Verluste liegen nach den Angaben der Importeure deutlich unter 5%, zudem steige auch im Meerwasser die Anzahl der nachgezüchteten Arten stetig. Besonders imposant sei die Situation vor Ort, die Herr Blessin aus eigener Erfahrung sehr gut kennt. Dank der Nachfrage durch Meerwasseraquarianer aus der ganzen Welt habe sich bei der einheimischen Bevölkerung das Verständnis für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit den Riffen weiterentwickelt, so dass Giftfische oder der Einsatz von Sprengstoffen der Vergangenheit angehören. Zudem hat sich - nicht zuletzt durch die Mithilfe deutscher Importeure - der Standard in den Fangstationen deutlich verbessert. Darüber hinaus bemängelte Herr Blessin die Aussagekraft der Importstatistiken, da hier keine Trennung von Zier- und Nutzfischen, wie beispielsweise Stören, erfolgt.

 

Bernd Schölzing, einer der größten Zierfischgroßhändler Europas, stellte klar, dass bereits ein Großteil der heute importierten Zierfische aus Nachzuchten bestehe. So werden viele, ursprünglich aus Südamerika stammende Arten, heute in großem Stil in asiatischen Ländern, z.B. Taiwan oder Thailand, nachgezüchtet. Durch hohe Standards beim Transport und der Eingewöhnung sowie genaue Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort, liegt die Mortalitätsrate - selbst bei Wildfängen - bei 4-6 %. Zudem kann er die Erfahrung von Herrn Blessin bestätigen, dass der Fang von Fischen nicht nur eine wichtige Einnahmequelle für die einheimische Bevölkerung darstellt, sondern auch die Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur ist, da die Fänger - sollte ihnen diese Einnahmequelle durch ein Importverbot wegfallen - zwangsläufig gezwungen sind, andere und für die Umwelt schädlichere Einnahmequellen (z.B. Produktion von Holzkohle) zu finden.

 

Peter Hoch betonte, dass sich die Situation in der Terraristik in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Zum einen spielen großwerdende Echsen- und Schlangenarten kaum noch eine Rolle im Handel, zum anderen konzentriert sich die Terraristik zunehmend auf leicht zu haltende Arten, wie beispielsweise Bartagamen und Leopardgeckos. Aufgrund der Haltungserfolge und des technischen Fortschritts sind viele Reptilienarten dabei, zum Heimtier zu werden, ähnlich wie dies bei Kaninchen und Meerschweinchen geschieht. Die Zahlen von Importen und Sterblichkeitsraten müssten jeweils genau hinterfragt werden, da auch hier - ähnlich wie bei den Fischen - alle nach CITES relevanten Import-/Exportvorgänge zusammengefasst werden. So werden beispielsweise bei Riesenschlangen importierte Häute und lebende Tiere auf Artniveau zusammengefasst. Nach eigenen Erfahrungen bringen nur wissenschaftlich fundierte und von neutraler Seite erfasste Daten Ruhe in die derzeit aufgeheizte Situation.

 

 

Dr. Thomas Gebhart dankte im Anschluss allen Referenten für ihre engagierten, aber durchweg sachlichen Vorträge. Er zeigte sich beeindruckt von den Zahlen und verwies darauf, dass der Eindruck in der Politik durch den Einfluss der Tierschutzorganisationen verzerrt wurde/ist. Er werde seine neuen Erkenntnisse in die Diskussionen der Arbeitsgruppe Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit einbringen und versprach weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.