Sachkundenachweis für Tierhalter ist das Allerwichtigste


 

Der Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V. (BNA) wirbt seit Anbeginn mit dem Slogan Biotope schützen, Natur bewahren, Arten erhalten. Nachdem der Deutsche Tierschutzbund - mit über 800 000 Mitgliedern die größte Tierschutzorganisation Deutschlands - im September 2011 eine Pressemitteilung herausgegeben hatte, in der ein Haltungsverbot von exotischen und wildlebenden Tieren gefordert wird, sahen sich BNA-Geschäftsführer Lorenz Haut und der Kölner Präsident Walter Grau aufgefordert, Vertreter aus Tierschutz, Zoofachhandel und Tierparks an einen Tisch zu bringen um gemeinsam mit privaten Tierhaltern und Politikern die Thematik zu diskutieren und nach Lösungswegen zu suchen. Am 21. und 22.04.2012 fand nun im modernen Schulungszentrum in Hambrücken ein zweitägiges Symposium statt, zu dem renommierte Experten aus ganz Deutschland angereist waren.

 

Getreu dem ausgegeben Motto Wir müssen nicht übereinander, sondern miteinander reden, versuchten die verschiedenen Interessengruppen einen gemeinsamen Konsens zu finden, was angesichts der komplexen Thematik nicht einfach war. So wurden leidenschaftlich und teilweise sehr emotional die jeweiligen Standpunkte vertreten.

 

 

Während Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, weiterhin für ein Wildtierhaltungsverbot plädierte und Christoph Maisack von der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht die rechtlichen Grundlagen zur Haltung und Zucht von Wildtieren erläuterte, gaben die Bundestagsmitglieder Undine Kurth (Bündnis 90/Die Grünen) und Olav Gutting (CDU) Erklärungen zum Thema Wildtierhaltung in menschlicher Obhut aus Sicht der Politik ab.

 

Gutting ist, wie Undine Kurth und der verhinderte Heinz Paula, MdB (SPD) der Meinung, dass der Tierschutz weiter gefördert und verbessert werden müsse und Personen, die gewerbsmäßig mit Tieren handelten, eine Sachkunde nachzuweisen hätten.

 

 

Alle Beteiligten müssen weiterhin für den Tierschutz sensibilisiert werden, doch von Seiten der Politik gibt es keine Einwände gegen eine tierschutzgerechte Wildtierhaltung, so Gutting. In einem Punkt waren sich Tierärzte, Fachhändler, Tierschützer und Politiker einig: Nur gemeinsam kann moderner Tierschutz erreicht werden. Als kompetente Referenten fungierten neben Papageienpapst Matthias Reinschmidt, Direktor des Loro Parque Teneriffa, u.a. auch die Tierärzte Johanna Moritz und Regine Rottmayer sowie Bernd Schmölzing vom Zierfischgroßhandel ESF zu den anberaumten Brennpunkten Kleinsäuger, Terraristik, Aquaristik und Vögel.

 

Darüber, dass das Tierschutzgesetz verbessert werden müsse und - was Missstände anbetrifft - politischer Handlungsbedarf notwendig ist, gab es bei den über 100 Versammlungsteilnehmern ausnahmslos kein zwei Meinungen.

 

Gelobt wurde das im Jahre 2009 eingeweihte Schulungszentrum in Hambrücken. Mit den dort vorgenommenen Fort- und Weiterbildungen hat der BNA mit seinem bundesweit anerkannten Sachkundeschulungskonzept für den Zoofachhandel vor über zehn Jahren einen Bildungsweg eingeleitet, der nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa einmalig ist.

 

BNA-Geschäftsführer Lorenz Haut: Wer Tiere in menschlicher Obhut halten möchte, egal ob Hund, Katze, Schlange oder Vogel, muss sachkundig sein. Tiere seien nun mal keine Ware und keine Spielzeuge, denn jeder Halter trage Verantwortung. Wer das nicht möchte, sollte sich lieber ein Steiff-Tier zulegen, so Haut.

 

Harro Hieronimus vom Deutschen Tierschutzbund am Ende des Sitzungsmarathons: Wichtig war, ein solches Symposium auf die Beine zu stellen und die unterschiedlichen Sichtweisen transparent zu machen. Der Anfang ist gemacht, wir alle müssen weiterhin im Gespräch bleiben. BNA-Präsident Walter Grau: Dass wir bei diesem ersten Meeting kein Ergebnis erhalten werden, war nicht Sinn dieser Veranstaltung und auch nicht zu erwarten. Wir haben jedoch viele gute Denkanstöße bekommen und sind sicher auf einem guten Weg zum weiteren Dialog.

 

Eingangs hatte auch Hambrückens Bürgermeister Thomas Ackermann der hochkarätig besetzten Runde einen Besuch abgestattet und die Grüße der Gemeinde inmitten herrlicher Wälder überbracht.