Artenschutz muss dringend korrigiert werden


 

Der Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz (BNA), mit seinem in Europa einzigartigen Schulungskonzept für die Fort- und Weiterbildung, wirbt seit Anbeginn mit dem Slogan Biotope schützen, Natur bewahren, Arten erhalten. Jetzt trafen sich in den Räumen der großzügig gestalteten Einrichtung in Hambrücken Vollzugsbeamte aller vier Regierungspräsidien in Baden-Württemberg zu einem Workshop Artenschutz.

 

Ziel der Veranstaltung war, neue Wege im Artenschutzvollzug zu diskutieren und zu finden. Alexander Zink, Leiter des Referats Naturschutz und Recht beim Regierungspräsidium Karlsruhe, brachte in seiner Einleitung zum Ausdruck, dass der BNA schon über viele Jahre hinweg vorbildliche Arbeit im Artenschutz leiste und die Vollzugsbehörden bundesweit entlaste.
Wenn es den BNA nicht gäbe, müsste man ihn erfinden, so Zink wörtlich.

 

 

Im Mittelpunkt des ganztägigen Workshops standen die Themengebiete Entbürokratisierung des Artenschutzes, Vogelringe für Wildvögel in Haltung und Zucht, Kennzeichen-Registrierung" sowie "Richt- und Leitlinien für Tierbörsen.
So hatte das Bundesumweltministerium dem BNA im Jahre 2000 den hoheitlichen Auftrag übertragen, Kennzeichen für die nach Artenschutzrecht zu kennzeichneten Tiere ausgegeben.
Im Schulungszentrum Hambrücken werden diese Kennzeichen registriert und an die über 200 zuständigen Naturschutzbehörden weitergeleitet, so Geschäftsführer Lorenz Haut, der Teilnehmer aus Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen und Freiburg begrüßen konnte.

 

 

Durch diese Aufgabe hat der BNA einen immensen Verwaltungsaufwand, so Haut, der ausführte, dass dies nur eine von vielen Aufgaben sei. Auch in der Fort- und Weiterbildung der Sachkunde bei der Tierhaltung und bei der Umweltbildung mit den Schulen sei der BNA beispielhaft im Tier- und Artenschutz.
Wir müssen neue Wege im Artenschutzvollzug gehen. Er muss für Tierhalter transparenter und bürgerfreundlicher gestaltet werden, führte Haut aus.
Der Staat könne sich den Luxus bürokratischer Aufwendungen, wie die unsinnige Meldepflicht, finanziell nicht mehr erlauben, waren sich die Teilnehmer einig.

 

Anhand eines Beispiels erläuterte Alexander Zink die Thematik: Die internationale Union für Conservation (IUCN) stuft die griechische Landschildkröte als gering gefährdet ein. Wesentliche Gefährdungsfaktoren für den Bestand der Art sind die Zerstörung angestammter Lebensräume durch Baumaßnahmen, die Urbarmachung von Brachland zum Beispiel durch Brandroden, der Einsatz schwerer Maschinen und Herbizide, aber auch die Überweidung durch Nutztiere, insbesondere durch Schafe und Ziegen.

 

An diesen, den Erhaltungszustand der griechischen Landschildkröte gefährdenden Faktoren ändere eine noch so perfekte Registrierungs- und Überwachungsbürokratie nichts, so die Runde. Wünschenswert wäre, die amtliche Bescheinigungspflicht für die Landschildkröten abzuschaffen und stattdessen in den Herkunftsländern wirksame Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustandes durchzuführen.
Die Verwaltungskosten nur für die griechische Landschildkröte betragen für das Land Baden-Württemberg jährlich 600 000 Euro, im Bundesgebiet 1,6 Millionen Euro im Jahr, betonte der Umweltjurist aus Karlsruhe.

 

Vor einiger Zeit hat der BNA zu diesem Thema bereits ein Gespräch mit Bundesumweltmister Norbert Röttgen geführt. Nicht der Minister, sondern die 16 Sprecher des Länder-Arbeitskreises-Artenschutz (LANA) sind das Problem, klagt Lorenz Haut, der den Umweltminister erneut auffordert, den Artenschutz schnellstmöglich zu reformieren.
Unterstützung erhält der BNA durch den Bundestagsabgeordneten Olav Gutting, der sowohl mit dem Minister als auch mit den Umweltausschussmitgliedern und dem BNA Gespräche führen will.

 

Referatsleiter Alexander Zink, nach einem gemeinsamen Rundgang mit Diplom-Biologe Jürgen Hirt: Wir begrüßen die Reforminitiativen des BNA und sind uns einig, dass gemeinsam und kollegial über Vereinfachung und Effizienzverbesserung beim wichtigen Thema Artenschutz nachgedacht werden muss.

 

Lorenz Haut abschließend: Bislang hat der BNA für alle seine Aufgaben im Tier- und Artenschutz weder vom Land Baden-Württemberg noch vom Bund finanzielle Unterstützung erhalten. Man könne solche Leistungen nicht mehr unentgeltlich erbringen und befürchte, die Leistungen einstellen zu müssen, was für den Tier- und Artenschutzvollzug ein herber Rückschlag bedeuten würde, hieß es aus Hambrücken.

 

Auch Bürgermeister Thomas Ackermann hatte der Runde im Laufe des Tages einen Besuch abgestattet und stellte die fünftkleinste Gemeinde im Landkreis mit den im Durchschnitt jüngsten Bewohnern (38,6 Jahre) vor. Ackermann: Der BNA ist eine Einrichtung, auf die wir in Hambrücken stolz sind. Im Jahr der Jubiläumsfeierlichkeiten 850 Jahre Hambrücken gab der Verwaltungschef einen kurzen Einblick in die wirtschaftliche Situation der Gemeinde und nannte den Natur- und Landschaftsschutz als ein wichtiges Thema.