Positionspapiere für die Vogelpfleger und -züchter

 

Versuche einer objektiven Standortbestimmung

 

Das Positionspapier zum Download.

 

 

Sowohl der BNA als auch die Gemeinschaft der deutschen Vogelzüchterorganisationen haben im Vorfeld der Bundestagswahl am 27.09.09 Positionspapiere und auch abgestimmte Stellungnahmen dazu veröffentlicht, die im Kern die jeweilige Meinung der Herausgeber und den Standpunkt zu aktuellen Fragen deutlich machen sollen.

 

Es wäre sehr zu begrüßen gewesen, wenn alle Vogelpfleger und -züchter diese aufschlussreichen Artikel intensiv und konzentriert lesen würden, um die deutlichen Gegensätze und unterschiedlichen Schwerpunkte der Verfasser der Positionspapiere zu erkennen.

 

Bei zahlreichen Diskussionen darüber musste ich feststellen, dass viele der ansonsten fleißigen Leser der Fachzeitschriften diese umfangreichen Ausführungen gar nicht oder nur sehr oberflächlich gelesen hatten. Allerdings gab es auch einige, die durch Zuschriften und Anmerkungen die Wichtigkeit und den Aussagewert der Aufsätze hervorgehoben haben. Gleichzeitig wurde auch auf die Undurchsichtigkeit der verschiedenen Veröffentlichungen hingewiesen.

 

Daher will ich als aktiver Vogelpfleger und Vogelzüchter und auch als Mitglied des VDW, der AZ und des BNA versuchen, die gegensätzlichen Forderungen der jeweiligen Gemeinschaften heraus zu stellen, um damit die Meinungsbildung der mitbetroffenen Mitglieder und sonstiger Interessenten zu erleichtern.

 

 

Forderungen und Vorschläge der deutschen Vogelzüchterorganisationen VZE-DKB-AZ-TLV-VZI-ICC-DSV:
  • Beringungspflicht für alle gezüchteten Vögel.
    Anmerkung: Es sollen zukünftig auch Vögel beringt werden müssen, für die bis jetzt noch keine gesetzliche Kennzeichnung vorgeschrieben war, z.B. Zebrafinken, Schamadrosseln u.s.w.
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  • Gegen einen Einheitsring
    Anmerkung: Die derzeitige Regelung, nach der die Züchter bei der Ringbestellung nach den verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen je nach Vogelart unterscheiden müssen, soll beibehalten werden.
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  • Kontrollrechte bei allen Züchtern, auch bei unorganisierten und illegalen.
    Anmerkung: Die oben genannten privaten Organisationen wollen eine staatliche Ermächtigung, nach der sie alle organisierten und nicht organisierten Vogelpfleger und Züchter kontrollieren können.
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  • Beibehaltung der Meldepflicht.
    Anmerkung: Die gesetzliche Meldepflicht, nach der der Zu- und Abgang aller artgeschützten Vögel an die jeweils zuständige Behörde anzuzeigen ist, soll beibehalten werden. Auch alle Nachzuchten von diesen müssen unverzüglich gemeldet werden.

 

Forderungen des BNA:
  • Wegfall der Meldepflicht
    Anmerkung: Nur noch Anhang A- Arten und legale Naturentnahmen sollen der Behörde gemeldet werden müssen.
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  • Einheitsring
    Anmerkung: Zukünftig soll es nur noch eine Ringausführung mit den verschiedenen Durchmessern für alle kennzeichnungspflichtigen Arten geben.
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  • Transponder, DNA-Nachweis oder offene Ringe sollen den geschlossenen Ringen gleichgestellt werden
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  • Die Ringgrößen sollen in der Verordnung nicht verbindlich festgeschrieben werden
    Anmerkung: Die angegebenen Ringdurchmesser sollen nur als Empfehlung dienen. Als verbindlich soll gelten, dass der Ring bei einem ausgewachsenen Tier nicht abstreifbar ist.
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  • Abschaffung der Beweislastumkehr Anmerkung: Nach der derzeitigen gesetzlichen Bestimmung muss der Vogelpfleger die Rechtmäßigkeit seiner Tiere nachweisen. Diese Beweislastumkehr ist in unserer Gesetzgebung eine nahezu einmalige Ausnahme.
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  • Bundeswildschutzverordnung muss dringend überarbeitet werden
    Anmerkung: Bis heute bestehen noch zahlreiche gesetzliche Ungereimtheiten bei den Züchtern von Vogelarten, die dem Jagdrecht unterliegen, besonders auch bezüglich der Kennzeichnung der europäischen Entenarten, Raufußhühner u.s.w., die dringend bereinigt werden müssen.
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  • Das Importverbot muss aufgehoben werden. Gezielte Einfuhren unter Beachtung hoher Tier- und Artenschutzstandards müssen wieder möglich sein
    Die bisher vorgeschobene Vogelgrippe für das Importverbot hat sich nicht bestätigt.

 

Eine Zusammenarbeit und ein einheitliches, gemeinsames Positionspapier der oben aufgeführten Vereinigungen hätte das Verständnis für die Interessen aller Vogelpfleger und Züchter vielleicht politisch erhöhen können.

 

Ich befürchte, dass die gegensätzlichen Positionspapiere das Gegenteil davon bewirkt haben, zum Schaden aller aktiven Vogelpfleger und -züchter.

 

Herbert Geitner