Der Fingerabdruck des Vogels: Zwischen Kriminalistik, Tier- und Artenschutz

 

Norbert Kummerfeld, Wilfried Meyer und Rainer Herrmann

Die aktuelle Situation

Artgeschützte wie besonders wertvolle Tiere, hier Vögel und Reptilien, müssen individuell als Eigentum des wirklichen Besitzers oder den für dies Tier Verantwortlichen sicher zuzuordnen und wieder zu erkennen sein. Das gilt sowohl im Rahmen einer Kontrolle nach dem Artenschutzrecht (BArtSchV v. Dez. 99) als auch z.B. nach einem Diebstahl. Vor diesem Hintergrund ist seit dem 1. Januar 2001 im nationalen wie europäischen Rechtsrahmen eine einheitliche Kennzeichnung zur Identifizierung besonders geschützter Vögel (und anderer im Anhang A aufgelisteter Tiere) gesetzlich vorgegeben (Art. 36 d. EG VO 338/97 und Ausführungsbestimmungen). Diese Kennzeichnung ist tierschutzgerecht auszuführen, d. h. sie soll human sein und darf das Wohlbefinden der Tiere nicht beeinträchtigen (Art. 37 d. EG VO 338 /97, TSchG 1 v. 1998).
Derzeit kommen als Kennzeichnungshilfen in vorgeschriebener Präferenz als erstes spezielle Fußringe und zweites Mikrochip-Transponder in Betracht, weitere Methoden sind aber unter besonderen Umständen im Einzelfall möglich (Art. 36 d. EG VO 338/97). Vor diesem Hintergrund werden bei Papageien und Greifvögeln bisher in erster Linie Fußringe verwendet, obwohl diese insbesondere bei größeren Papageien leicht zu Schäden und Schmerzen führen können. Es sind sichtbare Verletzungen oder Einschnürungen mit schmerzhaften Haut- und Sehnenverletzungen ebenso wie Knochenveränderungen und Schmerzen durch verdeckte Probleme wie druckbedingte Knochenhautreaktionen oder Tod durch Aufhängen im natürlichen Volierenbewuchs beschrieben (Abb. 1) (KUMMERFELD, 1996; SIEHLER, 2001). Darüber hinaus ist bei offenen Ringen das Entfernen durch Personen oder den Papagei selbst möglich. Weiterhin sind Fußringe bei Papageien wie Greifvögeln leicht manipulierbar oder zu entfernen (BLANKE, 1986; KUMMERFELD, 1996). Reptilien sind selbstverständlich durch Ringe nicht zu kennzeichnen, in vielen Fällen ist aber auch die Anwendung von Transpondern nicht möglich oder sogar tierschutzrelevant (BAUR, HOFFMANN, KÖLLE, BLAHAK u. v. HEGEL, 2001). Als Folge kann eine echte artenschutzrechtliche Kontrolle bei einer Vielzahl von Reptilien nicht stattfinden. Wenn ein praktizierender Tierarzt oder der Amtstierarzt in begründeten Einzelfällen beim Vogel ein Anlegen von Fußringen als nicht angezeigt erachtet, so sind Mikrochip-Transponder intramuskulär oder intraossär zu implantieren (KUMMERFELD, 1998).
Die Implantation der Transponder in den Brustmuskel oder Oberschenkelknochen erfordert beim Vogel als invasive Methode aufgrund der Größenverhältnisse jedoch immer eine Vollnarkose (TSchG 5 Nr. 7 v. 1998). Unabhängig von der körperlichen Belastung und dem Risiko für das Tier bei der Operation (Narkoserisiken, Blutungsgefahr, Wundinfektion) ist in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass ein Transponder im Muskel durch Abstoßungsreaktionen wandern oder verloren gehen kann, was eine spätere Identifizierung erschwert oder unmöglich macht. Dadurch verliert sich zusätzlich die Legalität der Haltung eines solchen geschützten Vogels. Eine subkutane Platzierung des Transponders wie bei Säugetieren ist bei Vögeln wegen schnell zu erwartender Abstoßungsreaktionen nicht möglich (KUMMERFELD, 1998). Als denkbare Alternative bleibt die Anfertigung eines sog. "genetischen Fingerabdrucks", der jedoch nicht ohne spezielles Labor durchführbar ist und so für eine Kontrolle vor Ort nur unter Inkaufnahme eines erheblichen Zeitverlustes geeignet erscheint.
Letztlich ergibt sich daher aus der praktischen Erfahrung die bedenkliche Situation, dass amtlich vorgeschriebene oder anerkannte Kennzeichnungsmethoden Schäden und Schmerzen an wertvollen und geschützten Vögeln und Reptilien hervorrufen können, Reptilien darüber hinaus zu einem Teil ohne jede Identifikation gehandelt und gehalten werden, d.h. dann im engeren Sinne unkontrollierbar sind.
Um dieses Problem zu lösen (Tierschutz soll noch in dieser Legislaturperiode in den Rang der Grundrechte erhoben werden), erscheint es heute dringend notwendig, natürliche und unveränderliche individuelle Kennzeichen von Vögeln und Reptilien fotografisch zu dokumentieren und zu einer Identifizierung heranzuziehen (BENDER, 2001a; KUMMERFELD, 2001). Für die Verwaltung solcher Daten bieten sich moderne Bilddatenbanken, wie sie sich z.B. im Bereich der kriminalpolizeilichen Recherchen von Fingerabdrücken oder Profilspuren bewähren, an.

 

Abb. 1:
Bergsittich mit offenem Beinbruch nach Festhängen am Fußring.

 

 

Identifikation über natürliche Merkmale

Die Sicherheit der Identifikation eines Vogels oder anderen Tieres über die natürlichen Merkmale steigt mit der Summe der übereinstimmenden Kennzeichen. Grundlegende Merkmale des Einzeltieres wären dabei zunächst die Artzugehörigkeit, das Geschlecht, das Alter (juvenil oder adult) und messbare Größenangaben, z.B. beim Vogel der Schädel-/Schnabelumfang sowie die Unterarm- oder Unterschenkellänge. Diese Maße bleiben beim Vogel konstant, da das Wachstum nach dem Ausfliegen abgeschlossen ist. Entsprechende Maße sind bei Reptilien über Jahre einem langsamen Wachstum unterworfen, nehmen also absolut an Größe etwas zu.
Spezielle Merkmale ergeben sich u. a. aus Kriterien eines Kraniogramms (seitliche Fotoaufnahme des Kopfes z.B. eines Papageien) oder eines Pedigramms (Foto des Schuppenmusters des Zehenrückens). Es sind jedoch nicht alle äußerlich auffälligen Kennzeichen eines Vogels oder Reptils zur Identifikation geeignet. Dies gilt für das Körpergewicht, das physiologisch bedingt deutliche, z.T. auch saisonale Schwankungen zeigen kann. Weiterhin unterliegen Haut- oder Federfärbungen und Gefiederzustand vielen auf das Tier einwirkenden Faktoren, zu denen insbesondere z. B. Erkrankungen oder Ernährungsstörungen zählen. Als Beispiel für Letzteres seien die sog. Königsjackos erwähnt, Graupapageien mit einer fleckenhaften roten Körperbefiederung, die genetisch nicht verankert ist, sondern auf Stoffwechselstörungen bei der Federentwicklung beruht und sich bei der nächsten Mauser in ihrer Ausdehnung verändern kann (KUMMERFELD, BNA - aktuell 1/2001: Abb. 2).

 

Abb. 2:
Kraniogramm vom Hellroten Ara mit Oberschnabelfleck und Unterschnabelstreifen

 

 

Das Kraniogramm

Das Kraniogramm stellt besondere Merkmale im Bereich des Kopfes nach einem Passfoto des betreffenden Papageien heraus oder beschreibt sie mit einer schematischen Zeichnung (KUMMERFELD, 1986).
Viele Aras zeigen z. B. schwarze oder rote Federbänder als auffällige Muster im Gesichtsspiegel, die, verbunden mit dessen Form, als charakteristisch zu interpretieren sind. Der federlose Gesichtsspiegel selbst stellt auch ein individuelles Merkmal dar (z. B. bei Graupapagei, Hellrotem Ara, Palmkakadu).
Jung- wie Altvögel des Hellroten Aras (A. macao) und des Dunkelroten Aras (A. chloropthera) haben darüber hinaus schwarz pigmentiertes Horn in individueller Fleckenform an der Schnabelbasis (Abb. 2).
Als weitere individuelle Kennzeichen können bei Roten Aras helle Hornstreifen im Unterschnabel dienen (Abb. 2). Das Iridogramm beschreibt als Besonderheit im Kopfbild außerdem die Musterung bzw. Pigmentierung der Iris (Regenbogenhaut) und / oder eine (erworbene) anormale Pupillenform (Abb. 3); hierzu sind z.B. fleckenförmige Zeichnungen der Iris zu zählen, die sich nicht auf arttypische altersbedingte Pigmentierung beziehen (KUMMERFELD, BNA aktuell 1/2001: Abb. 8).
Liegen keine plakativen Irismerkmale vor, kann die kompetente Bewertung eines Iridogramms, von deren Genauigkeit die artenrechtliche oder kriminologische Relevanz abhängt, z. B. bei Naturschutzbeamten, die verdächtige Vogelhaltungen kontrollieren müssen, ohne zusätzliche Sachkunde nicht immer vorausgesetzt werden.

 

Abb. 3:
Graupapagei mit plakativem Irisfleck

 

 

Das Pedigramm

Ein Pedigramm kennzeichnet die sichtbaren Hornschuppen-Strukturen einschließlich Narbenbildungen an der Oberseite der Zehen und / oder des Fußrückens eines Vogels. Diese Strukturen können durch einen normalen Fotoapparat, eine moderne CCD- oder eine Videokamera in Nahaufnahme abgebildet (BEYERBACH, 1980; KUMMERFELD, 1986) und digitalisiert für eine spätere Auswertung gespeichert werden.
Die gleichzeitige Erfassung eines Größenmaßstabes ist günstig (Abb. 4). Die Qualität des erhaltenen Bildes sollte nicht nur die individuellen Schuppenmuster allgemein deutlich erkennen lassen (Abb. 5), sondern - und dies erscheint für die spätere Heranziehung zur Identifikation von entscheidender Bedeutung - auch die speziellen individuellen Variationen bzw. Strukturierungen der einzelnen Schuppenformen besonders hervorheben (Abb. 6).
Eine ergänzende/alternative Möglichkeit, derartige Informationen spezieller individueller Merkmale zu erfassen und zu speichern, ergibt auch die Anfertigung von direkten Kunststoffabdrücken der Zehenoberfläche mittels einer kriminalerkennungsdienstlichen Technik. Die hierbei verwendete Methodik basiert auf dem Spurenabformmittel ISOMARKtm (Isomark Ltd., 261 Weddington Road, Nuneaton, UK). Diese Abformmasse ist einfach zu handhaben und kann das Hornschuppenmuster ebenso detailliert abbilden wie das Hautrelief eines menschlichen Fingers. Beim Isomark-System handelt es sich um eine pistolenähnliche Vorrichtung (Spender), in der eine Kartusche mit zwei voneinander getrennten Komponenten steckt. Durch Ziehen am Griff des Spenders wird ein vorher eingesetzter Kolbenschlitten in die Kartusche gedrückt, der die beiden Komponenten in einer aufgesteckten Kanüle vermischt. Die jetzt mit einem Härter vermischte Abformmasse tritt aus der Kanüle aus und kann relativ dünn auf die Schuppen aufgetragen werden, ohne dass es zu einer Schädigung der Haut des Fußes kommt. Die Masse härtet in Abhängigkeit von der Außentemperatur in 2 bis 5 Minuten aus; sie lässt sich danach problemlos vom Fuß abziehen und bleibt elastischformstabil. Von der Farbgebung her ist hellgrau zu empfehlen, weil sich gerade von dieser Farbvariante kontrastreiche Fotografien (Abb. 7) bzw. Digitalbilder herstellen lassen.
Es ist darauf zu achten, dass die Masse vollständig ausgehärtet ist, bevor der Kunststoff als dauerhafter Negativabdruck von den Hornhautschuppen abgezogen wird. Bei einer zu frühen Abnahme haften noch Kunststoffreste zwischen größeren Schuppen und reißen ab, wodurch das Pedigramm unvollständig wird.
Bei höherer Außentemperatur kann das Aushärten länger dauern und führt so bei unruhigen Vögeln durch die unvermeidliche Fixation zu einer erheblichen Belastung.
Werden durch äußere Einwirkungen/Verletzungen an den dokumentierten Zehen nach Wundheilungen Hornschuppen oder Gliedmaßenteile durch Narben ersetzt, so ergibt sich daraus ein zusätzliches unveränderliches Kennzeichen, das mit einem neuen Pedigramm erfasst werden sollte (KUMMERFELD, BNA aktuell 1/2001: Abb. 11 u. 13).
Gleichermaßen können auch Röntgenbilder nach verletzungsbedingten Fuß-/Bein- oder Flügelbrüchen als weitere unveränderliche Kennzeichen genutzt werden.

 

 

Abb. 4:
Pedigramm einer Venezuela-Amazone mit Maßstab

 

Abb. 5:
Pedigramm eines Seeadlers
Abb. 6:
Kunststoffabdruck des Seeadlerfangs von Abb. 5

 

 

Anatomische Grundlagen des Pedigramms

Nach einer direkten fotografischen Erfassung oder durch das Abformverfahren des Hornschuppenmusters und Dokumentation als Pedigramm lässt sich z. B. das Netzmuster der Trennlinien zwischen den Hornschuppen mit eingelagerten Narbenbildungen als individuelles Erkennungskriterium heranzuziehen.
Von besonderer Bedeutung für die Nutzung dieser Hautstrukturen ist, dass das Hornschuppenmuster des Vogelfußes wie der Reptilienhaut als Epidermisfelder und -falten im Erbgut festgelegt ist und damit lebenslang und individuell grundsätzlich unverändert bleibt. Die hervortretenden Hornschuppen sind spezielle Epidermisfelder, die Trennlinien dazwischen Epidermisfalten, die z.T. die unterliegende Dermis einbeziehen.
Hierbei ist von Bedeutung, dass diese für die unverwechselbare Identifikation verantwortlichen Strukturen aus unterschiedlichem Material aufgebaut sind. Die ausgereiften Zehenschuppen bilden eine Hornschicht aus hartem und mechanisch stark belastbarem ?-Keratin und die Epidermis der Falten besitzt eine solche aus weichem elastischen ?-Keratin, was die Anfertigung eines Abdrucks erleichtert (MEYER und ROHRS, 1986; SHAMES et al., 1989).
Durch Toluidinblau-Farbung im feingeweblichen Querschnitt der Hornhaut lasst sich dieser Aufbau deutlich als hellblaue harte Schuppe (wenig anfärbbares ?-Keratin) und dunkelblaue weiche Falte (gut zu färbendes ?-Keratin) darstellen (Abb. 8).
Ein Verlust der typischen Form der Hornstruktur der Schuppen bei Vögeln und Reptilien ist im Rahmen der regelmäßigen Erneuerung der Hornschicht (Häutung) nicht zu erwarten, da hierbei nur wenige äußere Zelllagen und nicht etwa die gesamte morphologische Grundlage dieser typischen Gewebsstrukturierungen der Haut abgegeben werden.

 

 

Abb. 7:
Oberfläche einer Datenbank für Pedigramme (hier: Kunststoffabdruck) mit Kreiszeichen zur Hervorhebung besonderer Schuppen

 

 

Schuppenmuster als natürliche Kennzeichen bei Reptilien

Wie das Relief der Hautlinien an menschlichen Fingerbeeren oder die Form der Hornhautschuppen auf dem Fußrücken der Vogel sind auch die Schuppenmuster der Echsen- und Schlangenhaut oder die Schilder des Carapax und Plastrons des Schildkrötenpanzers als individuelle Strukturen der Haut im Erbgut fixiert.
BENDER (2001 a) untersuchte eine Vielzahl verschiedener Reptilienspezies der Echsen, Schlangen und Schildkröten auf besonders geeignete/deutliche Hornhautbereiche zur Identifizierung und leitete aus ihren Ergebnissen der Fotodokumentation von geschützten Reptilien die Empfehlung eines Reptilienpasses ab (BENDER, 2001 b: BENDER Fotodokumentation: Abb. 18 und 22b).
Bei der Fotodokumentation der Schuppen-/Schildformen von Reptilien ist im Gegensatz zu Vögeln jedoch das fast lebenslange Wachstum über die gleichzeitige Erfassung eines Abbildungsmaßstabes (z. B. Karopapier, Lineal) zu beachten (BENDER, BNA aktuell 2/2001: Abb. 2).
Analog zum Passbild im Personalausweis des Menschen müssten auch die Darstellungen der natürlichen Merkmale bei Reptilien in mehrjährigen Abständen für die sichere Identifikation erneuert werden.

 

 

Abb. 8:
Toluidinblau-gefärbter Querschnitt durch Fußhornschuppe/-haut eines Hellroten Aras

 

 

Auswertung natürlicher Merkmale zur Identifikation

Die Identifizierung geschützter Vögel und auch Reptilien über ihre natürlichen Kennzeichen, analog zur Auswertung von Personalausweisen oder Fingerabdrücken in der Kriminalistik, würde sich aus Gründen des Tier- und Artenschutzes anbieten, wenn eine praxisnahe Verwaltung (z. B. Speicherung und Vergleichbarkeit) solcher Merkmale möglich ist.
Das vorgelegte Methodenspektrum zeigt hierzu Ansätze auf, wobei die Verwendung eines Fotos oder alternativ bei Vögeln die schmerzfreie Anfertigung eines Kunststoff-Abdrucks des Schuppenmusters der Zehenoberseite in Betracht kommen könnte.
Die hiervon erhaltenen Fotos oder Abdrücke sind als Kraniogramme oder Pedigramme bzw. Schuppenmuster über ein computergestütztes biometrisches Verfahren - ähnlich einer daktyloskopischen Auswertung - zu recherchieren, wodurch eine schnelle individuelle Identifizierung von Papageien und Greifvögeln sichergestellt wäre. Die Informationen der individuellen natürlichen Merkmale werden in einer zentralen Datenbank, entsprechend dem heutigen Verfahren mit Kennzeichnungsringen, gespeichert und sind online peripher abrufbar.
Der aktuelle regionale Bestand an besonders geschützten Papageien und Greifvögeln wäre über eine CD und Notebook auch mobil verfügbar. Im Gegensatz zur kriminaltechnischen Bearbeitung der Fingerabdrücke, bei der ein unbekannter Abdruck vom Tatort unter Umständen mit Hunderten aus der Datenbank verglichen werden muss, ist die Arbeit einer Artenschutzkontrolle bei Vögeln oder Reptilien sehr viel einfacher, da jetzt nur die Merkmale eines bekannten Einzeltieres mit bekannten Daten des zentralen Speichers verglichen werden müssen.
Die Entscheidung lautet nur "ja" (legal angemeldetes Tier) oder "nein" (nicht gemeldetes Tier), verdächtige (manipulierte?) Kennzeichnungen oder verlorene Ringe scheiden als Probleme aus. Die Oberfläche einer möglicher Bilddatenbank kann z. B das gespeicherte Pedigramm mit den hervorgehobenen besonderen Strukturen neben ein neues Foto (ggf. vor Ort angefertigt und ins Notebook geladen) der Schuppenmuster stellen, falls beim direkten Vergleich Zweifel auftreten (Abb. 6).
Bei Greifvögeln schließen die vielleicht zusätzlichen Pedigramme Ringmanipulationen im Rahmen des Artenschutzes als sinnlos aus; sie stellen aber im jedem Fall sicher, dass nach einem Diebstahl wieder aufgefundene Tiere zweifelsfrei und durch die zentrale Speicherung schnell dem rechtmäßigen Besitzer zugeführt werden können. Die Aufnahme der natürlichen Kennzeichen von Reptilien in eine zentrale Datenbank ermöglicht erstmals eine sichere Artenschutzkontrolle und verhindert, dass einmal ausgestellte Papiere für mehrere Generationen z. B. von Schildkröten verwendet werden können.

 

 

Zusammenfassung

Nichtinvasive Methoden zur individuellen Kennzeichnung und Identifizierung von Papageien, Greifvögeln und Reptilien dienen unterstützt von kriminaltechnischen Erfassungsmethoden dem Tier- und Artenschutz. Unter Berücksichtigung der aktuell noch vorgeschriebenen und verwendeten Kennzeichnung von Vögeln durch Fußringe oder Mikrochip-Transponder und deren mögliche negative Folgen für die betreffenden Tiere zeigt die vorliegende Arbeit eine individuelle Identifizierung von Vögeln und Reptilien auf, die anhand der Dokumentation wichtiger natürlicher Kennzeichen (Körpermaße, Kraniogramm, Iridogramm, Narben usw.) durchgeführt werden kann.
In diesem Rahmen wird als weitere besondere Möglichkeit die Herstellung eines Pedigramms oder Schuppenmusterbildes dargelegt. Dies ist nicht nur über ein fotografisches Dokument des Musters der Fußschuppen oder Reptilienhaut, sondern bei Papageien oder Greifvögeln auch über die Anfertigung von Kunststoffabdrücken möglich, die anschließend als digitales Dokument abgelegt werden. Die Verwendung von Bilddatenbanken als zentrale Speicher mit Online-Anbindung für eine periphere Nutzung macht die Verwaltung der Informationen und eine Kontrolle des Tierbestandes einfach. Der Bestand an Reptilien wird erstmals kontrollierbar.

 

 

Tätigkeiten der Autoren

Norbert Kummerfeld Klinik für Zier- und Wildvögel, Klinik für Geflügel
Wilfried Meyer Anatomisches Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Rainer Herrmann Landeskriminalamt Niedersachsen, Hannover

 

 

Literatur

BAUR, M., HOFFMANN, R., KÖLLE, P., BLAHAK, S., von HEGEL, G.
(2001) Kennzeichnung von Reptilien des Anhangs A mittels Transponder aus fachtierärztlicher Sicht
BNA aktuell H.1/2001 28-32

 

BENDER, C.
(2001 a) Individualerkennung von Anhang A-Reptilien mittels Fotodokumentation
BNA aktuell H. 2/2001 29-33

 

BENDER, C.
(2001 b) Fotodokumentation von geschützten Reptilien Publikation des DGHT Rheinbach
ISBN 3-9806577-2-8.

 

BEYERBACH, U.
(1980) Kennzeichnung und Identifizierung von Greifvögeln
Prakt. Tierarzt 61 936-940

 

BLANKE, R.
(1986) Probleme des Artenschutzes bei der Einfuhr und Haltung von Wildvögeln
Prakt. Tierarzt 67 220-223

 

KUMMERFELD, N.
(1986) Alternativen zur Identifikation von Papageien
Dtsch. Tierärztl. Wschr. 93 56-59

 

KUMMERFELD, N.
(1996) Methoden zur Kennzeichnung von Vögeln - Ziele und Tierschutzaspekte
Prakt. Tierarzt 77 792-800

 

KUMMERFELD, N.
(1998) Probleme bei der Kennzeichnung von Vögeln und erste Erfahrungen mit introssär implantierten Transpondern
Kleintierpraxis 43 415-424

 

KUMMERFELD, N.
(2001) Natürliche Kennzeichen zur Identifikation besonders geschützter Vögel
BNA aktuell H.1/2001 33-38

 

MEYER, W. und M. RÖHRS
(1986) Von der Reptilienschuppe zu Feder und Haar - Zur Evolution der Hautanhangsorgane.
Dtsch. Tierärztl. Wschr. 93 245-251

 

SHAMES, R. B., L. W. KNAPP W. E. CARVER, L. D. WASHINGTON und R. H. SAWYER
(1989) Keratinization of the outer surface of the avian scutate scale: interrelationship of alpha and beta keratin fialments in a cornifying tissue Cell Tissue
Res. 257 85-92

 

SIEHLER, M.
(2001) Vogelkennzeichnung früher und heute
BNA aktuell H. 3/2001 31-42